Die große Orgel der Lübecker St. Marienkirche


Technische Beschreibung
Disposition
Über die Orgel (von W. Seemann)


Technische Beschreibung

1968 konnte die Marienorgel (erbaut von Kemper & Sohn) nach sechsjähriger Bauzeit fertiggestellt werden. Dieses gewaltige Instrument enthält auf fünf Manualen und Pedal 101 Stimmen.

Die fünf Klaviere sind Kronenwerk, Oberwerk, Brustwerk, Hauptwerk und Rückpositiv zugeordnet.

Die elektrische Registratur-Anlage und sechs freie Kombinationen sowie freie Pedal-Kombinationen, zwei Jalousieschweller und ein Rollschweller stehen dem Organisten als Hilfsmittelzur Verfügung.

Durch das Vorhandensein einer doppelten Handregistratur (je eine Registertafel mit sämtlichen Stimmen und Nebenzügen links und rechts vom Spieler) hat der Organist die Möglichkeit, vor Spielbeginn mehrere Stücke einzuregistrieren. Hauptwerk, Brustwerk und das Rückpositiv bilden den Kernbestand einer "Buxtehude-Orgel". Kronenwerk und Oberwerk enthalten neben den Grundstimmen auch zusätzliche Stimmen älterer und modernerer Klangprägung (z. B. None 8/9' u.a.).

Das Pedal teilt sich in Groß- und Kleinpedal, die beide einzeln abschaltbar sind. Das Großpedal enthält die Fundamen talstimmen wie 32' und 16'. Im Kleinpedal hingegen finden sich vorwiegend die hohen Stimmen wie 4', 2' und Mixturen.

(nach oben)

Disposition der großen Orgel

Kronenwerk

Gedackt 16'
Sing. Gedackt 8'
Quintade 8'
Gemshorn 8'
Schweiz. Pfeife 4' Koppelflöte 4'
Prinzipal 2'
Waldflöte 2'
Quinte 1 1/3'
Scharff 4fach
Zwergzymbel 5fach Musette 16'
Dulcian 8'
Bärpfeife 8'
Regal 4'
Trem.

Oberwerk

Fugara 16'
Holzprincipal 8'
Holzgambe 8'
Salicet 8'
Unda maris 8'
Quinte 5 1/3'
Oktave 4'
Gemshorn 4'
Viol-Flöte 4'
Quinte 2 2/3'
Flachflöte 2'
Terz 1 3/5'
Septime 4/7'
None 8/9'
Forniture 5-6fach
Oboe 8'
Trem. (langsam)
Trem.

Brustwerk

Gedackt 8'
Dolcan 4'
Blockflöte 4'
Quintade 4'
Spitzquinte 2 2/3'
Prinzipal 2'
Rohrgedackt 2'
Sedez 1/2'
Terzian 2fach
Quintzimbel 2fach
Scharff 4fach
Regal 8'
Vox humana 8'
Schalmei 4'
Tremulant


Hauptwerk

Prinzipal 16'
Quintade 8'
Prinzipal 8'
Spitzflöte 8'
Doppelgedackt 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Superoktave 2'
Gemshorn 2'
Oktävlein 1'
Rauschpfeife 2fach
Mixtur 6-8fach
Scharff, 3fach
Hintersatz 10-12fach
Trompete 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
Trem.

Großpedal

Prinzipal 32'
Prinzipal 16'
Quinte 10 2/3'
Violoncello 8'
Lieblich Gedackt 4'
Fagott 32'
Posaune 16'
Trompete 8'
Clairon 4'
Cornett 2'
Tremulant

Kleinpedal

Salicet-Baß 16'
Subbaß 16'
Oktave 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Pommer 4'
Oktave 2'
Nachthorn 2'
Bauernpfeife 1'
Rauschpfeife 3fach
Zymbel 3fach
Mixtur 10fach
Dulcain 16'
Glockenspiel HW 8'
Glockenspiel HW 4'
Glockenspiel OW 4'
Glockenspiel OW 2'

Rückpositiv

Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Pommer 8'
Oktave 4'
Grobflöte 4'
Oktave 2'
Spitzflöte 2'
Quinte 1 1/3'
Sesquialtera 3fach
Scharff 4fach
Mixtur 6fach
Dulcian 16'
Doppel-Regal 8'
Krummhorn 8'
Tremulant

Foto unten: Blick in das Hauptwerk der Großen Orgel, große Mixtur hinter den Prospektpfeifen.

(nach oben)


Über die große Orgel

Es ist nicht bekannt, wann die erste Orgel in St. Marien erklang. Der früheste Beleg über das Vorhandensein einer Orgel in St. Marien stammt aus dem Jahre 1377. Die Quelle, ein Testament eines Lübecker Kaufmannes, sagt jedoch nichts von Art und Größe des Instrumentes, lediglich vermachte der Kaufmann Tiedemann Duddesehe dem »Rothgero, dem Organisten zu St. Marien« eine Summe Geldes.

1396-1399 wurde dann an der Westseite eine große Orgel gebaut, weiche im Jahre 1508 bei einem Brand im Mittelschiff der Kirche stark beschädigt wurde. Mitten in den Wirren der Reformationszeit, in den Jahren 1516-1518, entstand an gleicher Steile ein Neubau. ausgeführt von Bartheld Hering. Die Orgel stellte in ihrer damaligen Zeit ein Prachtexemplar dar: Mit 3 Manualen und Pedal, 57 Registern. insgesamt 4684 Pfeifen, einem Prospekt mit einem 32'- Prinzipal aus Zinn (dieser war damals einzig auf der Welt) zog sie mehr und mehr bedeutende Organisten (Tunder, Buxtehude) in ihren Bann. Die spätgotische Fassade war ein wahres Schmuckstück des Lübecker Bildhauers Benedikt Dreyer, sie zierten biblische Figuren mit Spruchbändern.

Nach der Zerstörung der Marien-Kirche Palmarum 1942 konnte erst 1968 nach sechsjähriger Bauzeit wieder eine große Marien-Orgel errichtet werden. Sie wurde von der Lübecker Orgelbau-Firma Kernper & Sohn erbaut.

Dieses gewaltige Werk enthält auf fünf Manualen 101 klingende Stimmen und insgesamt 8512 Pfeifen. Eine elektrische Registratur mit sechs freien Kombinationen und vier freien Pedal-Kombinationen, zwei Jalousie-Schwellern und einem Rollschweller sowie weiteren Spielhilfen steht dem Organisten als Hilfsmittel zur Verfügung.

Durch das Vorhandensein einer doppelten Handregistratur (je eine Registriertafel mit sämtlichen Stimmen und Nebenzügen links und rechts vom Spieler) hat der Organist die Möglichkeit. vor Spielbeginn mehrere Stücke einzuregistrieren. Hauptwerk, Brustwerk und Rückpositiv bilden den Kernbestand einer »Buxtehude Orgel«.

Kronenwerk und Oberwerk enthalten neben den Grundstimmen auch zusätzliche Stimmen älterer und moderner Klangprägung. Das Pedal teilt sich in Groß- und Kleinpedal, die beide einzeln abschaltbar sind. Das Großpedal enthält die Fundamentalstimmen wie 32' und 16'. Im Kleinpedal finden sich vorwiegend die hohen Stimmen wie 4' und 2' sowie die Mixturen, Obgleich sich mit der großen Marien-Orgel Kompositionen aller Epochen stilgetreu darstellen lassen, so hat das Instrument doch gerade für die Interpretation der großen Orgelsinfonik Max Regers vorzügliche Klangfarben zu bieten. Im Oberwerk finden sich die engmensurierten Streicher, deren Kombination ein Klangbild entwickelt, das in der Weite des Kirchenraumes wie aus einer sphärenhaften Ferne hervorströmt. Maßgeblich dafür ist die Undamaris 8' («Meereswoge») mit ihrer Schwebung gegen das Salicet 8'. Die mitteleng mensurierte Fugara 16' verleiht dieser Schwebung ein weiches Fundament, während die Vielflöte 4' den Klang leicht nach oben hin öffnet. Die Vielzahl unterschiedlichster Stimmen in allen 5 Werken und den beiden Pedalwerken vermag den großen Kirchenraum St. Mariens hervorragend zu füllen und gibt zugleich dem Marienorganisten einen weiten Spielraum in der Wahl der Farben und der dynamischen Qualitäten.

Wolfgang Seemann

(nach oben)